Referenz · Maße · Normen

Normen & Maßtabellen

Reifengrößen, Lochkreise, Kettenlängen, Innenlager-Standards — nachschlagen statt suchen. Jede Tabelle lässt sich mit dem Link darunter direkt in einem Forumspost oder eigenen Artikel einbetten.

Die meisten Fehlkäufe am Fahrrad gehen auf dieselbe Ursache zurück: Es wurde nach einem Markennamen gesucht, wo eine Zahl gefragt war. Ob ein Reifen auf deine Felge geht, ob eine Bremsscheibe an deine Nabe passt, ob ein Innenlager in deinen Rahmen gehört — das entscheidet keine Produktempfehlung, sondern eine Norm.

Der Aufbau ist überall gleich: eine Tabelle zum Nachschlagen, darum herum die Erklärung, wie die Angabe gelesen wird und wo sie missverstanden wird. Zentral ist der Unterschied zwischen verbindlich und Richtwert. Verbindlich sind Maße, die aus einer Norm folgen: 622 mm sind 622 mm, bei jedem Hersteller. Richtwerte verkürzen die Suche, müssen am eigenen Rad aber geprüft werden. Fehlt eine Angabe, gilt dieselbe Reihenfolge: erst das Bauteil absuchen, dann den Rahmen, dann selbst messen — ein Datenblatt beschreibt das Neuteil aus dem Katalog, nicht das eingebaute an deinem Rad.

ETRTO: warum nur eine der beiden Zahlen zählt

Die ETRTO-Angabe besteht aus Nennbreite und Wulstkerndurchmesser, beides in Millimetern. „37-622“ heißt: 37 mm breit, für eine Felge mit 622 mm Sitzdurchmesser. Für die Frage „passt das überhaupt?“ zählt nur die zweite Zahl — sie muss auf den Millimeter stimmen, sonst geht der Reifen nicht auf die Felge oder hält den Druck nicht. Die erste Zahl entscheidet über Freigängigkeit und Passung zur Maulweite.

So steht es auf der Reifenflanke 37-622 Breite in mm Wulstkern-Ø in mm Auch aufgedruckt: 28 × 1.40 · 700 × 37C = dieselbe Größe, nicht verbindlich Nur die zweite Zahl entscheidet über die Passform 622 passt auf 622 — bei jedem Hersteller, in jeder Breite Die erste Zahl ist die Breite — sie muss zu Felge und Rahmen passen, nicht zum Durchmesser Schnitt Reifenwulst WULSTKERN-Ø 622 MM Das ist das Maß, das passen muss 28 Zoll ist eine Sammelbezeichnung — 622, 630 und 635 mm tragen alle diesen Namen Im Zweifel gilt die ETRTO-Zahl auf der Flanke, nicht die Zollangabe
ETRTO lesenDieselbe Angabe, wie sie auf der Flanke steht: die zweite Zahl ist der Wulstkerndurchmesser und entscheidet über die Passform, die erste ist die Breite. Die Zoll- und die 700er-Schreibweise daneben meinen dieselbe Größe, sind aber keine verbindliche Angabe.

Genau hier liegt der klassische Fehler, und er heißt Zollangabe. „28 Zoll“ ist keine Norm, sondern eine Sammelbezeichnung für drei verschiedene Durchmesser. Im Regal sehen sie gleich groß aus, tauschbar sind sie nicht.

Zollangabe Sitzdurchmesser Wo es vorkommt
28 Zoll 622 mm Der Normalfall heute: Rennrad, Gravel, Trekking, 29er-MTB
28 Zoll 635 mm Klassische Tourenräder, viele holländische Räder
27 Zoll 630 mm Rennräder vor der 622er-Ära, englische Sporträder
26 Zoll 559 mm Das gängige MTB-Maß der 1990er und 2000er
27,5 Zoll 584 mm MTB und Trekking, identisch mit dem alten „650B“

Dieselbe Zollangabe, verschiedene Durchmesser — deshalb bestellst du nur über die zweite ETRTO-Zahl sicher.

ETRTO-Reifengrößen (Breite-Wulstkerndurchmesser → umgangssprachliche Bezeichnung)
ETRTO-Code Reifenbreite Wulstkerndurchmesser Umgangssprachlich
23-622 23 mm 622 mm 700×23C (Rennrad, schmal)
28-622 28 mm 622 mm 700×28C (Rennrad/Trekking)
32-622 32 mm 622 mm 700×32C (Gravel/Cross)
37-622 37 mm 622 mm 700×37C / 28″ (Trekking breit)
47-584 47 mm 584 mm 27,5×1.85″ (MTB)
54-559 54 mm 559 mm 26×2.10″ (älteres MTB)
54-622 54 mm 622 mm 29×2.10″ (MTB 29er)

Die ETRTO-Angabe ist die einzig verlässliche — die alten Zoll- und “C”-Bezeichnungen waren historisch nie ganz einheitlich normiert und können je Hersteller leicht abweichen. Entscheidend beim Reifenkauf ist immer der Wulstkerndurchmesser (die zweite Zahl), der zur Felge passen muss.

<blockquote>ETRTO-Tabelle Fahrradreifen — Quelle: <a href="https://www.cycle-basar.de/normen/">cycle-basar.de/normen/</a></blockquote>

Bei der Breite ist die Tabelle weicher, als sie aussieht: Die Nennbreite gilt für eine Referenz-Maulweite, auf einer breiteren Felge baut derselbe Reifen ein bis drei Millimeter breiter auf. Verbindlich ist deshalb der gemessene Abstand im eingebauten Zustand — Faustwert rund 4 mm Luft rundherum.

Merken

Schläuche sind für einen Breitenbereich ausgelegt, etwa „28-47 × 622“. Der Durchmesser muss trotzdem stimmen wie beim Reifen — ein 622er-Schlauch lässt sich in einen 584er-Reifen falten, liegt dann aber in Falten am Wulst und scheuert durch.

Bremsscheiben: Größe, Aufnahme und die Grenze im Reibring

Hinter der Bremsscheibe stecken drei unabhängige Maße: Durchmesser, Aufnahme an der Nabe, Aufnahme an Rahmen beziehungsweise Gabel. Alle drei müssen zusammenpassen, keines folgt aus einem anderen.

Bremsscheiben: Größen & Lochkreise
Größe Montage Typischer Einsatz
140 mm 6-Loch oder Center Lock Kompakte Räder, gelegentlich hinten bei leichten Gravel-Bikes
160 mm 6-Loch oder Center Lock Standard hinten (Rennrad/Gravel/Trail), vorne bei leichten Rädern
180 mm 6-Loch oder Center Lock Standard vorne (MTB/Trail), hinten bei Enduro
203 mm 6-Loch oder Center Lock Vorne bei Enduro/Downhill, schwere E-Bikes

6-Loch (sechs M5-Schrauben) ist der universellere Standard, kompatibel mit praktisch jedem Bremssattel-Adapter. Center Lock (Shimano-System mit Splines und Verschlussring) ermöglicht schnelleren Wechsel, braucht bei 6-Loch-Naben aber einen Adapterring.

<blockquote>Bremsscheiben-Größen & Lochkreise — Quelle: <a href="https://www.cycle-basar.de/normen/">cycle-basar.de/normen/</a></blockquote>

Die Einsatzspalte ist ein Richtwert, keine Freigabe. Verbindlich ist der maximale Scheibendurchmesser laut Gabel- und Rahmenhersteller — die Angabe steht auf der Gabelbrücke, an der Bremsaufnahme oder in der Anleitung und betrifft die Belastung der Aufnahme, nicht die Bauhöhe. Ein Adapter, der mechanisch passt, ist kein Beweis für eine Freigabe. 6-Loch heißt immer sechs M5-Schrauben auf 44 mm Lochkreis, meist Torx T25 und je nach Hersteller 2 bis 6 Nm im Sternmuster; der Center-Lock-Verschlussring sitzt mit rund 40 Nm.

Bei Adaptern ist die Richtung nicht symmetrisch: Eine 6-Loch-Scheibe lässt sich per Adapterring auf eine Center-Lock-Nabe setzen — der umgekehrte Weg ist nicht vorgesehen, weil das Splineprofil an der Nabe sitzt. Wer sich Optionen offenhalten will, fährt mit 6-Loch-Naben freier.

Das dritte Maß wird am häufigsten übersehen: die Mindestdicke. Neu ist eine Scheibe meist 1,8 mm dick, die Verschleißgrenze liegt je nach Hersteller bei etwa 1,5 mm — eingeprägt oder gelasert auf dem Reibring nahe den Speichenarmen, als „MIN.TH.“, „Min. Thickness“ oder nackte Millimeterangabe. Gemessen wird an mehreren Stellen der Belaglaufspur: Scheiben laufen selten gleichmäßig ab, und der dünnste Punkt entscheidet.

Verbindlich vs. Richtwert

Verbindlich: Mindestdicke auf der Scheibe, maximaler Durchmesser laut Gabel und Rahmen, Drehmomente laut Hersteller. Richtwert: die Einsatzempfehlung zur Größe — sie hängt an Systemgewicht, Gefälle und Fahrstil, nicht an der Radgattung.

Kettenlänge: die Tabelle ist der Startpunkt, nicht die Antwort

Zwei Dinge werden hier verwechselt. Die Gangzahl bestimmt die Kettenbreite: Von 8-fach bis 12-fach wird die Kette außen schmaler. Die Länge ergibt sich dagegen aus Kettenstrebenlänge, größtem Kettenblatt und größtem Ritzel — zwei Räder mit identischer 12-fach-Schaltung können unterschiedlich lange Ketten brauchen.

Kettenlängen nach Gang-Anzahl (Richtwerte)
Gangzahl Typische Gliederzahl Hinweis
8-fach ca. 114–116 Glieder Variiert mit Rahmengröße und Kettenstrebenlänge
9-fach ca. 114–116 Glieder Etwas schmalere Kette, ähnliche Länge wie 8-fach
10-fach ca. 114–116 Glieder Variiert mit Kassetten-Bandbreite
11-fach ca. 114–118 Glieder Rennrad meist kürzer, MTB mit großer Kassette länger
12-fach ca. 116–126 Glieder MTB mit sehr großer Übersetzungsbandbreite braucht oft mehr Glieder

Diese Werte sind Richtwerte — die tatsächlich benötigte Länge hängt von Rahmengröße, Kettenstrebenlänge und der größten Zahnkombination ab. Zuverlässiger als jede Tabelle: die alte Kette als Längenreferenz nehmen oder die Herstellerformel für dein Schaltwerk verwenden.

<blockquote>Kettenlängen nach Gang-Anzahl — Quelle: <a href="https://www.cycle-basar.de/normen/">cycle-basar.de/normen/</a></blockquote>

Die Tabelle sagt dir also, welche Kette du kaufen musst, damit genug Material da ist. Wie viele Glieder danach abgetrennt werden, bestimmt eines von drei Verfahren:

  1. Die alte Kette als ReferenzDer schnellste Weg, wenn sie nachweislich richtig lang war: daneben legen, gleiche Gliederzahl. Abgezählt wird nach Gliedern, nicht nach Zentimetern — Ketten längen sich im Betrieb.
  2. Groß-groß plus zwei GliederKette am größten Kettenblatt und größten Ritzel entlangführen, aber am Schaltwerk vorbei, beide Enden auf Kontakt legen, zwei Glieder zugeben. Robust, wenn keine Herstellerangabe vorliegt.
  3. Die Herstellerformel für dein SchaltwerkBei großer Übersetzungsbandbreite verbindlich. Shimano und SRAM geben je Schaltwerksfamilie eigene Verfahren vor — wo es eine solche Angabe gibt, gewinnt sie gegen jede Faustregel.

Zu kurz heißt: Es spannt hart auf groß-groß und zieht das Schaltwerk nach vorn. Zu lang heißt: Der Käfig hängt auf klein-klein durch, die Kette schlägt an. Beides prüfst du am aufgebockten Rad in genau diesen Extremkombinationen, nicht im mittleren Gang.

Innenlager: erst die eigene Schale bestimmen, dann bestellen

Hier gehen die meisten Bestellungen zurück — weil viele beim Namen des Kurbelsystems anfangen statt beim Rahmen. Die Reihenfolge ist umgekehrt: Der Rahmen ist gegeben, das Lager richtet sich nach ihm, die Kurbel muss zu beidem passen.

Innenlager-Standards
Standard Bauart Schalenbreite (Richtwert)
BSA Geschraubt, englisches Gewinde 68 mm (Rennrad) / 73 mm (MTB)
BB86 / BB92 Pressfit (eingepresst) 86,5 mm (Rennrad) / 92 mm (MTB)
Hollowtech II Shimano-Kurbelsystem mit außenliegenden Lagern — läuft in BSA- oder Pressfit-Schalen je nach Rahmenschale (siehe oben)
T47 Geschraubt, größerer Durchmesser als BSA meist 68,5–73 mm, herstellerabhängig

BSA gilt als der langlebigste, wartungsfreundlichste Standard — geschraubte Lager knarzen seltener als eingepresste. T47 verbindet die Vorteile eines Schraubgewindes mit dem größeren Innendurchmesser, den Pressfit-Systeme für dickere Lager/Achsen nutzen, ohne deren typische Pressfit-Nachteile (Knarzen durch Toleranzen im Rahmen).

<blockquote>Innenlager-Standards im Überblick — Quelle: <a href="https://www.cycle-basar.de/normen/">cycle-basar.de/normen/</a></blockquote>

Deine Schale bestimmst du mit einem Messschieber in drei Schritten:

  1. Breite messenAußenkante zu Außenkante des Tretlagergehäuses. 68 oder 73 mm deuten auf Schraubgewinde, 86,5 oder 92 mm auf Pressfit; 83 mm gibt es an Downhill-Rahmen.
  2. Auf Gewinde prüfenSichtbares Gewinde im Gehäuse heißt geschraubt, eine glatte Bohrung heißt Pressfit. Dafür genügt meist ein Blick.
  3. Innendurchmesser messenEr trennt die Familien: BSA liegt bei rund 34,8 mm, BB86/BB92 bei 41 mm, PF30 bei 46 mm, T47 bei 47 mm.

Zwei Details kosten regelmäßig Werkzeug oder Gewinde. Erstens ist BSA mit 1,37 Zoll × 24 Gängen definiert, und die antriebsseitige Schale hat Linksgewinde — sie wird zum Lösen im Uhrzeigersinn gedreht. Zweitens gibt es das italienische Gewinde mit 36 mm × 24 Gängen und Rechtsgewinde auf beiden Seiten; es sieht BSA ähnlich, passt aber nicht. Dazu kommt der Achsdurchmesser der Kurbel als eigener Standard: Hollowtech II 24 mm, SRAM GXP 24 mm, SRAM DUB 28,99 mm, BB30 30 mm. Notiere vor dem Bestellen also vier Werte — Schalenbreite, Innendurchmesser, Gewinde ja/nein, Achsdurchmesser.

Tabellen einbetten

Unter jeder Tabelle steht ein fertiges Snippet mit Tabellentitel und Link zurück auf diese Seite — gedacht für die Stellen, an denen genau diese Maße gebraucht werden:

  • Im Forum: Snippet kopieren und einfügen. Boards ohne HTML nehmen die Zeile in ihrer eigenen Zitat-Syntax.
  • Im eigenen Beitrag: Snippet einfügen, die relevanten Tabellenzeilen darunter übernehmen — so bleibt nachvollziehbar, woher die Werte kommen.

Häufige Fragen zu Normen und Maßen

? Woran erkenne ich, welche Felgengröße ich habe?

Am schnellsten über den montierten Reifen: Auf der Flanke steht die ETRTO-Angabe, die zweite Zahl ist der Sitzdurchmesser deiner Felge. Ohne Reifen such sie im Felgenbett, auf dem Felgenband oder am Datenblatt. Bleibt das erfolglos, miss den Außendurchmesser und rechne 6 bis 8 mm ab — das genügt, um 622 von 635 zu unterscheiden.

? Sind 28 Zoll und 700C dasselbe?

Meistens ja, verlässlich nein. „700C“ steht heute praktisch immer für 622 mm, die verbreitete Variante von „28 Zoll“ ebenfalls. „28 Zoll“ bezeichnet aber auch 635 mm, wie an klassischen Tourenrädern. Solange du die zweite ETRTO-Zahl liest, ist die Bezeichnung gleichgültig.

? Wo steht die Mindestdicke meiner Bremsscheibe?

Auf der Scheibe selbst, eingeprägt oder gelasert: „MIN.TH.“, „Min. Thickness“ oder eine reine Millimeterangabe, meist auf dem Reibring nahe den Speichenarmen. Typisch sind 1,5 mm bei 1,8 mm Neuzustand. Nachmessen an mehreren Stellen der Laufspur — der dünnste Punkt entscheidet.

? Welche Maße brauche ich, um die Innenlager-Norm zu bestimmen?

Das entscheidet die Rahmenschale, nicht die Kurbel. Miss die Gehäusebreite (68/73 mm heißt Schraubgewinde, 86,5/92 mm Pressfit), prüfe auf sichtbares Gewinde und miss den Innendurchmesser. Dazu der Achsdurchmesser der Kurbel — mit diesen vier Werten ist die Auswahl eindeutig.

? Passt ein Schlauch für 622 auch in einen 584er Reifen?

Nein. Die Breitenangabe eines Schlauchs ist ein Bereich, der Durchmesser dagegen ist fest. Ein zu großer Schlauch legt sich in Falten unter den Wulst und scheuert dort durch, ein zu kleiner wird über seine Dehngrenze gespannt.

? Wie lang muss meine neue Kette sein?

Die Tabelle nennt die Kettenlänge, die du kaufen musst. Die endgültige Gliederzahl bestimmst du am Rad: alte Kette als Referenz, oder Kette über größtes Kettenblatt und größtes Ritzel legen, am Schaltwerk vorbei, Enden auf Kontakt bringen, zwei Glieder zugeben. Gibt der Schaltwerkshersteller ein eigenes Verfahren vor, gilt dieses.